Schwarz und Weiß – der Kontrast

Schwarz und Weiß – gegensätzlicher geht es nicht. Oder? So viel trennt diese Töne und doch ohne einander können sie sich nicht entfalten. Der Kontrast, der Kontext macht sie zu dem, was sie sind.

Porzellantassen schwarzes und weisses Porzellan

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Trotzdem ist es keine Schwarzweißfotografie. Nuancen von Weiß bewegen sich von Schneeweiß über Creme bis hin zum Elfenbein, bei Schwarz kommt auch die Kälte und Wärme, also blauer oder brauner Stich ins Spiel, eine rabenschwarze Tiefe und ihre Schwäche in Form vom Anthrazit…

Der Ärger beim Mischen der Farben, wenn der schwarze Ton keine Tiefe bekommt, wie sie in der Natur so selbstverständlich vorkommt bei Gefieder, Blüten oder Fell und er muss zusehen, wie die gewünschte Tiefe für Blau und Rot lächerlich leicht zu erreichen ist und bleibt ganz matt mit dieser Erkenntnis.
Kleine Teekanne in Kontrasten Schwarz und Weiss sechziger Jahre
Kontraste in schwarzen und weissen Porzellangefässen
Reines Schwarz und Weiß sind sowieso theoretische Begriffe. Trotzdem sind sehr viele Kontraste der beiden Töne überall zu sehen, in der materiellen Welt genauso wie in der Sprache oder Gesellschaft.

Meine immer wieder hoffnungslose Frage beim Filmgucken: Wer ist der Gute?

Die Kontraste als Moodmap zu fotografieren, schwebte mir schon lange im Kopf vor. Der Auslöser war ein Klassiker aus der Memphis Epoche, die in den Achtzigern mit den Archetypen so spielerisch umgegangen ist – die stolz bombastischen Formen von Matteo Thun (Fantasia für Arzberg).
Fantasia Zuckerdose Matteo Thun Memphis schwarz-weiss

Jede Epoche kennt solche Artefakte, die dem Geist ihrer Zeit so eindeutig entsprechen, dass sie einen Betrachter ohne Zweifel direkt dahin beamen. Das kann auch mit Hassliebe verbunden sein, die auch zur Familie Schwarzweiß gehört.

Das Schachspiel durfte auch nicht fehlen, auch wenn die meisten davon nicht wirklich Schwarz gegen Weiß, sondern eher helles Holz gegen schwarz lackiertes Holz ausspielen.
Schachbrett mit Tellern in Schwarz und weiss der Kontrast
Komposition der Schwarzen und weissen Porzellangefässe auf einem Schachbrett
In Raumgestaltung ist die Kombination Schwarz-Weiß manchmal ein Zeichen von Mut, sich den Kontrasten zu stellen, kann aber auch Angst vor chromatischen Farben und Unsicherheit bedeuten. Nur in den beiden Farben gehaltene Räume sind nüchtern und strukturiert, irgendwie verspannt, da sie sich selbst ständig in Schach halten. Details hingegen können eine zu bunte Welt retten, indem sie die Bezüge organisieren. Und es gäbe da noch Grau, aber das ist eine ganz andere Geschichte.
Schwarz und Weiß – der Kontrast mit Porzellan und DDR Uhr
Wenn wir versuchen, die Gegenstände in den Kompositionen auszublenden, ergeben sich Spiele grafischer Natur. Kräftemessen der Flächen und Linien. Punktuelle Signale der Punkte. Geregelte Welt der Rechtecke, auch wenn sich die auf der Porzellanoberfläche der Rundung anpassen und die auf dem Stoff sich etwas gehen lassen dürfen.

Porzellanset Sammeltasse schwarz mit weissen Punkten
Schwarz und Weiß der Kontrast Glasring Murano in Schwarz und Weiss auf Porzellan
Vor unseren Augen verändern sich Kontraste in der Welt, das schwarzweiße Denken, das Entwederoder löst sich auf, bekommt Zwischentöne, die binare Struktur ist nicht wahr, auch wenn diese Gegenüberstellung ein Teil unserer Wirklichkeit ist. Ich suche die Kontraste in meinem Kopf, wo ist mein Schwarz-Weiß, an welchen Strukturen halte ich so fest, dass ich keine Zwischentöne zulasse?
Schwarz und Weiß – der Kontrast Porzellan und Glasgefäße Kaffeekanne
Es scheint auf meinen Fotos trotz grenzwertiger Gegensätze eine harmonische Welt zu sein, denn die beiden sind sich in einer Sache einig: Keine bunten Farben. So betreiben sie ihr Tauziehen und egal was passiert, bleiben sie im Gleichgewicht. Was hier ein Hintergrund in Ultramarinblau anrichten würde, mag ich gar nicht denken.
Schwarze und Weisse Gegenstände Stillleben Spiegelungen
Schwarze und weisse Akzente auf Porzellantellern

ENGLISH SUMMARY: Black and white – the contrast

Black and white – it could not get more opposite. Right? So much separates them and yet without each other none of them can unfold. The contrast, the context makes them what they are.
Still, it’s not black and white photography. Nuances of white range from snow-white to cream and ivory, with black the cold and warmth issues through blue or brown influence also come into play, as well as the pitch-black depth and its weakness in the form of anthracite…
The annoyance when mixing colours, when the black tone does not get any depth, as it occurs so naturally in nature with plumage, flowers or fur, and it has to watch how the desired depth is ridiculously easy to achieve for blue and red and remains quite matt with this realisation.
Pure black and white are theoretical concepts anyway. Nevertheless, a great many contrasts of the two tones can be seen everywhere, in the material world as well as in language or society.
Again and again my hopeless movie-watching question: who’s the good guy?
Photographing the contrasts as a moodmap had been on my mind for a long time. The trigger was a classic piece from the Memphis era, which was so playful with archetypes in the eighties – the proudly bombastic shapes by Matteo Thun (Fantasia for Arzberg).
Every epoch knows such artefacts, which correspond so clearly to the spirit of their time that they beam an observer directly back there. This can also be associated with love-hate relationships, which are also part of the black and white family.
The chess set couldn’t be missing here, even though most of them don’t really pit black against white, but rather light wood against black lacquered wood.
In interior design, the combination of black and white is sometimes a sign of courage to face the contrasts, but it can also mean fear of chromatic colours and insecurity. Rooms kept only in the two colours are sober and structured, somehow tense as they constantly keep themselves in check. Details, on the other hand, can save a world that is too colourful by organizing the relations. And there would also be gray, but that’s another story.
If we try to imagine the objects in the compositions are not there, games of a graphic nature emerge. Force measurement of the surfaces and lines. Punctual signals of the points. Regulated world of rectangles, even if those on the porcelain surface adapt to the curve and those on the fabric are allowed to let themselves go a little bit.
Before our eyes contrasts in the world change, the black and white thinking, the either/or dissolves, gets intermediate tones, the binary structure is not true, even if this juxtaposition is a part of our reality. I look for the contrasts in my head, where is my black and white, which structures do I hold on to in such a way that I don’t allow any in between hues?
It seems to be a harmonious world in my images, despite borderline opposites, because they agree on one thing: no bright colors. That’s how they run their tug-of-war and no matter what happens, they stay balanced. I don’t even want to think what mess a background in ultramarine blue would have made here.

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