Was eine Tasse ausmacht

Wenn Menschen am Tisch sitzen und miteinander sprechen, werden sie oft von diesen wichtigen Requisiten begleitet.
Denn oft wird beim Kaffee oder Tee geplaudert, zumindest tagsüber (später übernehmen Gläser die Kulisse).
Lass uns aber bei den Tassen bleiben, die so selbstverständlich geworden sind, dass sie fast übersehen werden, dabei machen die darin angebotenen Getränke selbst ein schwieriges Gespräch weniger trocken.
Was ist das denn, was eine gute Tasse ausmacht?

tassen styling petrol und grün

(Scroll down down down for the English summary)

Geschmackssache? Nicht nur. Was passiert mit einer Tasse und was kann dabei schiefgehen?
Das Wesentliche ist das Trinken, es müsste schon möglich sein. Da kommt der Tassenrand ins Spiel, die feinen leicht nach außen gewölbten Porzellanränder passen sich den durstigen Lippen perfekt an. Warum gibt es trotzdem hunderte von Modellen, die es der Menschheit zu beweisen versuchen, dass eine klobige fingerdicke Wand genauso fürs Trinken prädestiniert sein kann? Das sind diese Tassen und Becher, an deren Außenwand immer eine ausgetrocknete Kaffeespur klebt.

Halten ist in zweierlei Hinsicht wichtig: der Henkel und das Ganze. Verschiedene Henkelformen quälen die Menschheit bereits seit Jahrhunderten, Barokoko! Kein Wunder, dass sich der kleine Finger aristokratisch in die Lüfte streckt, für ihn ist kein Platz da. Oft für die anderen Finger genauso wenig.

Halten ist aber auch Thema, wenn eine Tasse altmodisch in der Spüle abgewaschen wird. Das gibt es immer noch ab und zu. Manche Formen lassen sich sehr schlecht unter Wasser halten, das sind vor allem die kleinen konisch gestalteten Modelle. Fast ideal sind dagegen einige Tassen aus den 50/60er Jahren, die einen kleinen ausgebildeten Fuß haben, der der Tasse nicht nur Stabilität verleiht, sondern ist zum Halten sehr gut geeignet. Und dazu soooo schön (oder??). Kleinigkeiten, die eine Rolle spielen.
Glasur glänzend oder matt – die haptische Wirkung ist eine Sache, aber auch für Putzbarkeit ist die Oberfläche nicht unwichtig.

Kapazität bedeutet Wärme – logo, immer wieder nachgefüllte kleine Tässchen kühlen schneller aus, als voluminöse Becher. Deshalb beim kultivierten Teetrinken am Tisch mit ständigem gastfreundlichen Nachschenken können die Kleinen gewinnen, zum Arbeiten an den Rechner kommt lieber ein gefüllter Eimerbecher mit (um so schlimmer für die eventuelle Tastaturüberflutung).
Tassen Stapel Stilmix
Wichtig und nicht nur aus ästhetischen Gründen: die Farbe. Innen schwarze Tassen sind sexy, aber wenn schwarzer Tee drin ist, sieht man die Farbe des Getränks nicht. Und als hartnäckige Schwarzteetrinkerin möchte ich diese Farbe sehen. Kaffee mit einem Schuss Milch fühlt sich dagegen sehr wohl darin.
Andere Farben im Inneren der Tassen können aber genauso Partykiller sein. Das betrifft auch dunkelblaue Töne, dabei muss ich an eine andere Sache denken: Ich hatte mal Gläser aus dunkelblauem Glas, sie schimmerten ganz toll in der Sonne, bis ich sie einmal mit O-Saft gefüllt hatte. Das sah dann aus, als hätte ich eine khaki Pfütze in einer extra schlammigen November Ausführung darin gehalten.

Nicht ganz unwichtig – das Schrankleben, also wie gut die Tassen oder Becher sich stapeln lassen. Die Türme sollten schon stabil stehen können. Da sind meine Favoriten aus den 50er Jahren etwas launisch, in dieser Hinsicht gewinnen schwedische Stapelbecher.

Was für mich noch die Tasse ausmacht, ist, dass sie keine witzigen Sprüche auf der Oberfläche trägt. Das betrifft nicht direkt die Funktionalität, aber meine Spruchallergie ist schon sehr ausgeprägt.
Was habe ich noch übersehen? Hat jemand noch eine Idee, was eine Tasse ausmacht? Kommentare erwünscht! Übrigens: was einen Stuhl ausmacht, findet Ihr hier.

komposition aus Tassen grün und violett

ENGLISH SUMMARY: What makes a cup a cup?

When people meet to talk to each other, they are usually accompanied by objects, that are important props, as people often chat over coffee or tea, at least during the day (later it is glasses that take over the scenery). But let’s stay with the cups that have become so natural that they are almost overlooked, although the drinks offered in them make even a difficult conversation less dry.
But what makes a good cup? A matter of taste? Not only. What happens to a cup and what can go wrong? The essential thing is drinking, it should be possible. That’s where the cup rim comes into play, the fine porcelain rims, slightly convex to the outside, adapt perfectly to thirsty lips. Why are there still hundreds of forms, that try to prove to mankind, that a bulky finger-thick wall can be just as predestined for drinking? It is these cups and mugs, on the outside wall of which there is always a dried trace of coffee sticking.
Holding is important in two ways: the handle and the whole thing. Different shapes of handles have tormented mankind for centuries, barococo! No wonder that the little finger stretches aristocratically into the air, there is no room for it. Often the same happens the other fingers. But holding is also an issue when a cup is being washed up in the sink the old-fashioned way. That still happens every now and then. Some shapes are very difficult to hold under water, especially the small conical shaped models. Almost ideal, on the other hand, are some cups from the 50/60s, which have a small foot that not only gives the cup stability but is also very good for holding. And also soooooo beautiful (right???). Little things that matter.
Glaze – glossy or matt – the haptic effect is one thing, but the surface is also important for cleanability.
Capacity influences warmth – logo, repeatedly refilled small cups cool down faster than voluminous ones. That is why the little ones can win by cultivated tea drinking at the table with constant, hospitable refilling, and when working at the computer, a filled bucket mug is better (all the worse for the possible keyboard flooding).
Important and not only for aesthetic reasons: the colour. Inside black cups are sexy, but when black tea is there, you can’t see the colour of the drink. And as a stubborn black tea drinker, I need to see that colour. A coffee with a shot of milk, on the other hand, feels very good in them. Other colours inside the cups can be party killers as well. This also applies to dark blue tones; by the way: I once had drink glasses made of dark blue glass, they shimmered beautifully in the sun until I filled them with orange juice. It looked like there was a khaki puddle in an extra muddy November version inside.
Not completely unimportant – the cupboard life, i. e. how well the cups or mugs can be stacked. The towers should be able to stand stable. My favourites from the 50s are a bit moody, in this respect Swedish stackable cups win.
What else makes the mug for me is that it doesn’t have any funny sayings on the surface. This does not directly affect the functionality, but is due to my profound allergy to sayings. What else have I missed? Does anyone else have any idea what makes a cup a cup? Comments welcome! By the way: here you can find what makes a chair a chair.

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