Textilgedanken: Stationen aus dem Leben eines Sonnensiebs

Diese Muster haben mich seit vielen Jahren begleitet, sie haben eine Prägung hinterlassen und waren ein Synonym von Zuhause, von meinem Elternhaus. Ein Sieb für Sonnenstrahlen.
Ein paar Textilgedanken und Bilder zu den Stationen aus dem Leben eines Sonnensiebs.

Textilgedanken: Stationen aus dem Leben eines Sonnensiebs Ansicht Gardine

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Die Liebe kam schleichend und mit anfänglichen Schwierigkeiten, dafür umso ernster ist sie geworden. Fragt nicht nach Prinzipien, ich bin auch kein Gardinenmensch, im Erdgeschoss ging es aber nicht anders. Immerhin war sie aus Baumwolle gefertigt.

Morgens hat sie meinen ersten Blick gefangen. Im Hintergrund die honig-ockerfarbenen Vorhänge. So haben sich die Pixelornamente mit ihrer, wie ich immer fand, unlogischen Anordnung, in mein Fensterbild eingeprägt. Die Kodierung, die sicherlich eine Botschaft zu vermitteln versuchte, die ich mich wiederum bemühte zu entziffern.

schatten der Gardine sonnensieb Textilgedanken goldener Hintergrund
Als ich weggezogen bin, hab ich den Anblick sehr selten gehabt und es war mir immer klarer, dass es ein wichtiger Bezugspunkt im Universum für mich ist. Dann sind diese Fotos entstanden.
Sonnensieb weiße Gardine textil
Einer Tages hatte ich diese Gardine in der Hand, als das Urteil für viele andere Textilien inzwischen schon gefallen war, als Kartons gepackt und Möbel auseinander geschraubt wurden. Diese Erinnerung musste ich aber schützen, mich dafür bedanken und sie irgendwie weiterleben lassen.
ölbilder abbildung der gardinenmuster textilgedanken
So habe ich die kleine Serie von Ölbildern gemacht, mit den Mustern, die als direkte Schablone dienten.
Textilgedanken Mallappen Gardine mit Farben befleckt
Gardine mit Farbe Atelier Mallappen
Sie zerfiel förmlich in den Händen, nach jahrelanger Sonneneinstrahlung kein Wunder.
So ergab sich die nächste Station, ein langer Abschied: Verwenden im Atelier, als Mal-Lappen, zum Reinigen der Zinkplatten… bis nichts mehr übrig ist. Das sind die letzten Fotos, buchstäblich voller Farbe. Die gute Nachricht ist, ein paar Fetzen sind noch da.
Reste der Gardine als Lappen im Künstleratelier

ENGLISH SUMMARY: Textile thoughts: from the life of a sun-sieve

These patterns have accompanied me for many years, they have left an imprint and were a synonym of home, of my parents’ place. A sieve for sunrays. A few textile thoughts and pictures about the stations in the life of a sun-sieve.
Love came slowly and with initial difficulties, but it has become serious. Don’t ask me about principles, I’m not a curtain person either, but on the ground floor there was no other option. At least it was made of cotton.
In the morning it caught my first glimpse. In the background the honey-ochre draw curtains. Thus the pixel ornaments with their, as I always thought, illogical arrangement, have become engraved in my window image. The code which certainly tried to convey a message, which I kept trying to decipher.
When I moved away, I very rarely had the sight of it and it became increasingly clear to me that it was my important reference point in the universe. That was when these photos were taken.
One day I had this sheer curtain in my hand when the sentence had already been pronounced to many other textiles, when boxes were being packed and furniture dismounted. But I had to protect this souvenir, to thank it and somehow let it live on. So I made the small series of oil paintings, with the patterns that served as a direct stencil.
The sheer curtain literally fell apart in my hands, no wonder after years of direct sunlight. This was the next stage, a long farewell: to use it in the studio, as a painting rag, to clean the zinc plates… until there is nothing left of it. These are the last photos, literally full of colour. The good news is, there’s still some shreds left.

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